Elvis und Karate

Das Text und Bildmaterial stammt hauptsächlich aus meinem Buch "Elvis und Karate". Die Erstausgabe erschien am 17.12.1991,  neu bearbeitete Zweitausgabe im März 1996.

Wann Elvis Presley das erste Mal mit Karate in Berührung kam, ist mir leider nicht genau bekannt.  Nach Elvis eigenen Angaben soll es in den frühen Jahren des Buiseness gewesen sein. Sicher ist, dass Elvis schon während seiner militärischen Grundausbildung in Fort Hood/Texas im April 1958 Interesse am Karate zeigte, wie ein Armeekumpel berichtete.

Es gab hervorragende Karatelehrer unter den Ausbildungsserganten in Fort Hood und Elvis war sehr beeindruckt von den verschiedenen Verteidigungsmöglichkeiten, die es im Karate gibt. Während seiner Stationierung in Deutschland 01.10.1958 - 01.03.1960, hörte Elvis von einem gewissen Jürgen Seydel aus Usingen. Herr Seydel war ein Experte in der Karateausbildung.

Jürgen Seydel geboren am 12.09.1917 - † 3. August 2008

Den Krieg machte Jürgen Seydel als Funker, Flieger, Dolmetscher (Englisch, Französisch, Russisch) und Sonderausbilder mit. Studienverbot, Rangverlust und Gefängnis waren die Tribute, die er als Widerstandskämpfer im Dritten Reich zahlen musste.

Nach beendetem Studium arbeitet Seydel als Graphiker, Redakteur und Schriftsteller. Nach dem Krieg begann Jürgen Seydel mit Karate.

Seine Grundkenntnisse holte er sich auf Lehrgängen in Südfrankreich bei Hiro Mochizuki. 

1957 gründet Seydel das erste Karate-Dojo in der Bundesrepublik in
Bad Homburg v.d.H, welches heute noch existiert.

die ersten Karate-Fachlehrgänge werden im Waldschwimmbad in Dornholz- hausen bei Bad Homburg abgehalten.

Da für Karate keine Matten benötigt wurden, waren die Wiesen des ruhigen und still gelegenen Waldbades ideale Freiluftübungsplätze.

1959  nahm Elvis Presley seine erste Karate Stunde bei dem bereits
42 Jahre alten Jürgen Seydel in dessen Dojo in Bad Homburg.

Am 27.07.1961 wird auf Jürgen Seydels Initiative der Deutschen Karate Bund (DKB) gegründet.

1961 gibt Seydel sein dreiteiliges Karate-Lehrbuch heraus.

Von 1961 bis 1988 war Jürgen Seydel Technischer Leiter und zeit­weiliger Präsident des DKB, der Bundesvorstand trug ihm schließlich 1969 das Amt eines hauptamtlichen Geschäftsführers an, das er bis 1980 innehatte.

Seit Oktober 1980 ist er im Ruhestand.

Jürgen Seydel starb am 3. August 2008 im alter von 90 Jahren.

Elvis fuhr mit seinem Armeekumpel Rex Mansfield im Mai/Juni 1959 zu Jürgen Seydel nach Usingen, um seinen ersten Karateunterricht zu bekommen. Ich muss dazu sagen, dass es sich wahrscheinlich um eine private Karatestunde handelte, da Herr Seydel sein reguläres Karate Dojo (Studio) in Bad Homburg v.d.H. hatte.

Später im Dezember 1959 kam Jürgen Seydel auch in das Haus Goethestraße 14. in Bad Nauheim, welches Elvis für sich und seine Familie gemietet hatte, um ihm Karateunterricht zu geben.

Elvis Trainigspartner in der Goethestraße 14, war sein Armeekumpel, Rex Mansfield, welcher auch das E.P.G, Graceland Book "Elvis in Deutschland" zusammen mit seiner Frau Elisabeth, die Elvis Privatsekretärin während seiner Militärzeit in Deutschland war, schrieb.

Mansfield schreibt in seinem Buch, dass Elvis stets darauf achtete, das er nie das ganze Unterrichtsprogramm mitmachte, so dass Elvis immer etwas mehr wusste. (Anmerkung: Jürgen Seydel konnte sich später nicht an Rex Mansfield als Elvis Trainigspartner in der Goethestraße erinnern).

Auch Priscilla Presley, Elvis Ex-Frau, die er zu dieser Zeit 1959 kennen lernte berichtet in ihrem Buch "Elvis und Ich" von Elvis Karatestunden, die er in den oberen Räumen (Schlafzimmer) des Hauses in der Goethestraße 14 von Jürgen Seydel bekam.

Jürgen Seydel erinnert sich an diesen Karate-Unterricht in der Goethestraße wie folgt:

Am 6. Dezember 1959 erhielt Elvis Presley den ersten Karateunterricht in seiner Bad Nauheimer Wohnung.

Ich unterrichtete dann Elvis zweimal wöchentlich bis zum Ende seiner Dienstzeit bei der Armee in Deutschland im März 1960. Wir trainierten jedes Mal drei volle Stunden, ohne Unterbrechung. Elvis war sportlich und durchtrainiert, begriff schnell, reagierte kühl und präzise. Auf seinen eigenen Wunsch hin packte ich ihn sehr hart an. Elvis machte erstaunliche Fortschritte.

Zwischen den Unterrichtstagen übte er täglich mehrere Stunden. Er trainierte wie ein Irrer, selbst nach einem anstrengenden Dienst. Ob er ehrgeizig sei, fragte ich ihn daraufhin. "Im Karate? Nein, bestimmt nicht."

Aber es ist für mich mehr als nur ein Sport, es kommt gleich nach der Musik. Es gibt kein Hobby, für das ich so viel Zeit aufgewendet habe. Elvis wünschte sich, eine Woche unter meinem ersten Lehrer, Murakami Sensei, trainieren zu dürfen.

Wir fuhren zusammen nach Paris und vereinbarten ein tägliches dreistündige Training im Dojo (Karate-Studio) Yoseikan von Meister Murakami, der dort Karate und Kendo Unterricht gab. Es wurde eine recht harte Woche.

Tetsuji Murakami (*31. März 1927 in Shizuoka, †24. Januar 1987) ist ein japanischer Meister des Karate, der auch in Deutschland unterrichtete.

Das Thermometer zeigte 6 bis 10 Grad unter Null, der Raum war ungeheizt, manche Fenster zerbrochen und notdürftig mit Pappe abgedichtet. Es gab weder Umkleideräume noch Duschen.

Meister Murakami machte jedoch ein so unerbittlich hartes Training, das wir obwohl barfuss und im dünnen Gi (Karateanzug) die Kälte kaum wahrnahmen.

Elvis nahm alles gelassen hin, den schäbigen Raum, die Kälte, das ermüdende Training, den Fußweg in den frühen Morgenstunden vom Hotel zum Dojo und zurück.

Am Ende des Lehrgangs bat ich Meister Murakami um seine Beurteilung, Elvis sei so sagte er, ein ungewöhnlich ernsthafter und talentierter Schüler. Er habe den Leistungsstand eines 3 Kyu (Braungurt), wenn er noch ein bis zwei Monate trainiere.

Ich könne ihm bei der Rückkehr in die Staaten ohne Bedenken den braunen Gürtel geben.

Das war ein hohes Lob des Meisters, denn er war als Lehrer und Prüfer äußerst kritisch und streng.

Ende 1960 schrieb Elvis mir voller Freude und Stolz, nun sei es soweit er habe den schwarzen Gurt.

Sensei (Meister) Murakami, gehörte als zweiter technischer Leiter zum Vor­stand des Deutschen Karatebundes, außerdem war er 1958 der erste japanische Karatemeister, der in Deutschland einen Karatelehrgang gab. Dieser Lehrgang wurde im Waldschwimmbad in Dornholzhausen bei Bad Homburg, wo später auch Elvis einige seiner ersten Karateunterrichtsstunden bekam, abgehalten.

Elvis schwarzer Karategürtel:

Es gibt eine Information, die besagt Elvis hätte seinen schwarzen Karategürtel im März 1960 bekommen.

Da Elvis mit dem brauen Karategürtel zurückkehrte halte ich März 1960 für zu früh für den schwarzen Gurt.

Auf dem Cover der LP "His Hand in Mine" ist eine kleine Medallie (Revernadel) zu sehen, die Elvis als Träger des schwarzen Gürtels auszeichnet.

Die Lieder der LP "His Hand in Mine" entstanden bekanntlich am 30/31. Oktober 1960, wenn man davon ausgeht, dass das Cover Foto während der großen Fotosession im Herbst 1960 also Oktober/November entstand, man außerdem die Aussage Jürgen Seydels, das Elvis ihm Ende 1960 schrieb jetzt habe er den schwarzen Gürtel bekommen, berücksichtigt, so ist es wahrscheinlicher, das Elvis, der ja mit dem braunen Karategürtel in die USA zurückkehrte weitere 2-3 Monate Training benötigte um den schwarzen Karategürtel zu bekommen.

Also dürfte es wahrscheinlicher sein das Elvis Presley seinen schwarzen Gürtel im Juli/August 1960 bekommen hat.

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